Dienstag, 5. März 2013

Mikael Engström: Ihr kriegt mich nicht!


Gelegentlich lese ich auch ein Jugend- oder Kinderbuch.  Ich bin neugierig auf das, was man heute so den Kids erzählt und verkaufen will. Mikael Engström ist Schwede, Jahrgang 1961. Und das der Hanser Verlag ein Jugendbuchreihe hat, ist mir erst jetzt aufgegangen.

Mik ist am Anfang der Geschichte ungefähr zehn Jahre alt. Mutter tot; Vater besoffen, ach was heißt hier besoffen: Bis zur Bewußtlosigkeit  abgefüllt; der sechs Jahre ältere Bruder ein Kleinkrimineller.  Mik hat ein Handy. Ohne SIM Karte. Eine Tafel Schokolade vertreibt den Hunger den ganzen Tag, auch wenn es Zartbitterschokolade ist, die Mik nicht mag. Egal.  Die nette Traficantin schenkt sie ihm, wenn sie eine Zeitlang in der Auslage lag und nicht mehr zu verkaufen ist. Geht alles keinen was an. Mik redet nicht darüber und ganz verwahrlost sieht er ja noch nicht aus, wenn man ihn mit seinem Handy telephonieren sieht. Spätestens ab dieser Stelle bewunderte ich diesen Mik: was für ein mutiges, kluges, kleines schnippisches Kerlchen! Es dauert einige Zeit, bis Mik auffällig wird und die Führsorge auftaucht. Und bis Mik in eine Pflegefamilie kommt, soll er zunächst zu seiner Tante, hoch im Norden, in ein verschlafenes Nest.

(ZITAT Klappentext)
Die Lehrerin legte ihm die Hände auf die Schultern. „Jetzt darfst du dich selbst der Klasse vorstellen.“
Mik wand sich unter ihren Händen hervor und blieb schweigend stehen.
„Irgendwas wirst du doch über dich sagen können.“
„Ich heiße Mik, und ich bin ... verdammt klein für mein Alter, meine Ohren sind das einzige an mir, was wächst.“
Pi brach in schallendes Gelächter aus und der Rest der Klasse ebenfalls. Mik stand mit steinerner Miene da, wie erstarrt. Sie durften gern lachen. Jetzt war es ausgesprochen, das mit den Ohren war heraus. Wenn sie ihn ärgern wollten, mußten sie sich was anderes ausdenken ...
„Tut mir leid.“

Und was dann in diesem verschlafenen kleinen Nest, hoch im Norden Schwedens so alles lebt und dann abgeht, erzählt Mikael Engström in ganz normalen Sätzen, spannend, ergreifend, bildhaft und erfrischend unsentimental. Ich als Erwachsener sage: Faszinierend und ein paar Kids, denen ich aus diesem Buch vorlas, alle ungefähr im Alter von Mik, meinten: cool, Mann!

Nach dem ersten Winter in dem kleinen verschlafenen Nest, kriegt die Staatsmacht Mik dann doch und er muß in die Pflegefamilie. Und das findet Mik nicht nur Scheiße, es wird auch richtig Scheiße. Obwohl es eine ganz einfach Lösung gäbe.

Es klingt jetzt sicher uncool, wenn ich sage, ein mutmachendes Buch! Mehr davon.



Mikael Engström: Ihr kriegt mich nicht!

Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
© Carl Hanser Verlag, München 2009
Umschlaggestaltung: Peter-Andreas Hassiepen, München
Foto: © Phil Schermeister/CORBIS



Dienstag, 19. Februar 2013

Bettina Galvagni: Melancholia


Bettina Galvagni hat es geschafft! Als sie 17 Jahre alt war, schrieb und veröffentlichte sie ihr erstes großes Prosawerk, einen von der Literaturkritik hochgelobten „Roman“. Melancholia erschien 1997 im angesehenen Residenz Verlag. Laut wikipedia ist Bettina Galvagni heute Ärztin, nachdem sie unter die Räder des Literaturbetriebes gekommen war! So kann es einem enfant prodige gehen.  Jahre später fragte mal die Zeit in einem Artikel, was denn aus ihr geworden sei, da wohl die meisten ihrer Bücher als Mängelexemplare auf Wühltischen verramscht wurden und in Antiquariaten verstaubten. Ob ich es nun vom Wühltisch oder aus einem Antiquariat habe, weiß ich nicht mehr.  Nachdem ich es aber gelesen habe, hoffe ich inständig, daß Bettina Galvagni Ärztin bleibt und nicht mehr schreibt.  Erfahrungsgemäß aber steht das leider nicht zu erwarten, denn in Melancholia schreibt sie selbst:

„Mein Leben lang wird das Schreiben wie ein Damoklesschwert vor mir hängen und die warnenden Kassandrarufe ausgebeutetwerdender Anamnese hintergehen. Langsam wird es mir Gift auf die Zunge legen. Ich werde andere Leute in meinen Reaktor einschleusen, sie in- und auswendigkennen wie ein Theaterspieler seinen Text.“ (Seite 183)

Aber was ist Melancholia nun für ein Buch? Der Verlag nennt es (vorsichtshalber?) „ihre erste große Prosaarbeit“ aber schnell sprach die Kritik von einem Roman und erging sich geradezu in Lobeshymnen. Allerdings habe ich jetzt keine Ahnung, ob es nicht doch vielleicht jemanden gegeben hat, der damals diese Prosaarbeit verrissen hat.

Bettina ist die Hauptfigur. Ein junges Mädchen, wahrscheinlich siebzehn, vor, oder in der Matura und immer wieder krank und im Krankenhaus. Der Vater ist auch im Krankenhaus. Aber nicht immer. Es geht um Krebs,  Magersucht, Schizophrenie, Amputation, oder ist es doch nur der Blinddarm?  War es die Tante oder die Mutter, die irgendwann die Frage nach der eingebildeten Krankheit stellte? Ist auch nicht wichtig. Bettina liest! Bettina liest wie eine Bekloppte! Auf rororo-Monographien fährt sie besonders ab.  Sie ließt fast soviel wie ich. 

Und Bettina schreibt auch. Tolle Sätze zum Teil. Oh ja. Sie versucht sogar James Joyce nachzuahmen und schafft es eine ganze Seite in Melancholia  ohne Satzzeichen zu schreiben. Allerdings wurde das mit Leerstellen gesetzt; anders als im Ulysses.  Ist eigentlich auch egal.

Wie gesagt, ein paar ihrer Sätze, die man so eben völlig unsortiert wie Gedanken in sein Tagebusch schreibt, in diesem Alter, klingen lyrisch und poetisch, sind bildhaft, außergewöhnlich, auch schon mal schön, auch mal stark und provozierend und auch amüsant. Ja, ich erinnere mich an meine Stieftochter. Die konnte das auch mit 17, wie wohl die meisten in dem Alter. Alles kein Grund in dieser Prosaarbeit etwas außergewöhnliches zu sehen, oder gar von einem Roman zu sprechen und mit experimenteller Literatur hat es auch nichts zu tun und erst recht nicht ist es in der Tradition der offenen Moderne gehalten. Melancholia ist in meinen Augen nicht mehr und nicht weniger als die Spielerei eines intelligenten jungen Mädchens, eine Träumerei von Büchern, Ländern, Lesen, Schreiben und Krankheiten.

„Als eine Tante ein paar Tage mit mir verbrachte, hat sie gemeint, ich sei verrückt, völlig verrückt, so verrückt, daß man es nicht mehr aushalten könne. Man kann doch nicht den ganzen Haufen Bücher absorbieren und bei Philosophiearbeiten in der Schule in einer Stunde zwanzig Seiten schreiben, das ist doch nicht möglich, und Nietzsche und Heidegger, das geht doch nicht. Ich pflichtete ihr bei, es war kurz vor der ersten Philosophiearbeit im zweiten Semester, und schluckte weniger Bücheraspirin als gewöhnlich.“(Seite 51)

Bettina Galvagni: Melancholia

© 1997 Residenz Verlag, Salzburg und Wien


Mittwoch, 6. Februar 2013

Robert Seethaler: Jetzt wirds ernst


In und an diesem Buch stimmt eigentlich alles. Sogar der Klappentext:

„Mit ungestümer Zärtlichkeit, entwaffnendem Humor und ganz dicht dran an seinen Figuren schildert Robert Seethaler den Werdegang eines Jungen aus einer kleinen Provinzstadt, der es auf Umwegen schafft, seinen Traum zu verwirklichen. Dabei erzählt er von Freundschaft, Mädchen, Sex, Geburt, Tod, dem Theater, schlechten Frisuren und pinkfarbenen Chevrolets.“

Ernst wird es natürlich, wenn man als Schauspieler, auch wenn man nur einen Apfelbaum spielt, seinen Text vergißt und dann auch noch umfällt, wie der Held dieser Geschichte, der sie dann auch erzählt. Und damit es auch jeder versteht, fängt er mit seiner Geburt an., was ja auch eine ernste Angelegenheit sein kann.  Nach diesem Sturz in die Welt aber, geht es fast locker, flockig, vom Hocker weiter und das unglaublich lebendig, tatsächlich manchmal ausgelassen, naiv, rührend, ironisch, lakonisch. Und immer wieder wird es ernst dabei. Ernst im dem Sinne,  daß es gilt, einige Hürden und Schicksalsschläge im Leben hin zu nehmen. Im vorletzten Kapitel des Buches steht unser Held wieder auf der Bühne und wir erfahren warum er im ersten Kapitel auf die Fresse gefallen ist.  Das letzte Kapitel dann, und das ist dann das Ende seiner  Adoleszenz, läßt  drohend und auch verheißungsvoll, den wahre Ernst des Lebens aufscheinen.

Das Leben ist eine ernste Angelegenheit; da tut eine solch leichte und kurzweilige Komödie, die Seethaler hier bravourös geschrieben hat ganz gut.

Und fast glaube ich, es wird irgendwann weitergehen mit diesem Helden. Das letzte Kapitel ist eindeutig ein bühnenreifer Abschluß und Ausblick auf eine Fortsetzung.


Robert Seethaler: Jetzt wirds ernst

© 2010 by Kein & Aber AG Zürich
Foto Robert Seethaler: Achim Hehn


Dienstag, 5. Februar 2013

Stephan Wackwitz: Ein unsichtbares Land


Warum mir dieser Roman nicht gefallen hat? Ganz einfach: Er ist kein Roman und auch kein Familienroman, wie es draufsteht. Dann kommt hinzu, daß ich keinen Wackwitz kenne und in diesem Buch kommen gleich mehrere als die Hauptpersonen vor: Der Enkel Wackwitz, der die ganze Geschichte erzählt, der Vater des Enkels und der Großvater. Es gibt noch ein paar mehr, die mich ebensowenig interessierten und die Linie reichte bis ins Mittelalter zu den Ottonen. Offensichtlich gelang es nicht, die Linie auf Karl den Großen zurückzuführen, was ja für viele heute ein dringendes Bedürfnis zu sein scheint.  Wo komme ich her, wer bin ich, wo gehe ich hin? Was hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin? Das will dieser sogenannte Familienroman vermitteln und darstellen.

Ich habe auch nichts mit den Schlesiern am Hut, außer, daß ich einmal ein paar Jahre eine Freundin hatte, die heute aber in Zürich lebt, und ihre Eltern stammten aus Schlesien und ich hörte dann so einige Berichte über sogenannte Schlesiertreffen, die ja auch lange Zeit durch die Presse geisterten. Ach ja, und ich kannte einen Briefträger, der wie ein Graf aussah und sich als Hobby mit den Schlesiern und den verloren Ostprovinzen beschäftigte, der auch die umfangreichste Videosammlung von pornographischen Filmen hatte. Aber das nur am Rande.

Die Wackwitz haben also was mit Schlesien zu tun und wohnten in der Nähe von Auschwitz, auch als es noch Habsburgisch war.  Doch kommt eher Anhalt vor, und die Weber, womit wir im 16. Jahrhundert wären und dem Protestantismus über dem wir dann bei Rudi Dutschke landen, von dem der Enkel auch einiges zu erzählen hat, wie auch von Ernst Bloch, neben dem er wohl mal stand. Übrigens stand der Großvater mal neben Adolf Hitler, als Hitler noch ein Niemand war, und jetzt weiß ich es nicht mehr so genau, ob es der Vater dann in Berlin war, der in Rufweite von Adolf Hitler stand, als dieser mit Rosen beworfen wurde.  Ist auch egal, weil es mich ja eigentlich nicht interessierte, obwohl ich mich jetzt frage, wie denn das möglich war, weil doch eigentlich der Großvater Pastor in Namibia war und irgend jemand in Kanada in Kriegsgefangenschaft war, weil 1939 das Schiff vor Afrikas Küsten, welches auf dem Einband abgebildet ist, mit den Wackwitz aus Namibia versenkt wurde, was aber alle überlebt hatten und die Männer zumindest Zigarre rauchend im Rettungsboot saßen. Ob sich der Enkel an diese Geschichte 2001 erinnerte, als er in Tokio in einer Buchhandlung irgendein Buch gekauft hat, oder in Krakau, wo er wohnte und arbeitete und die Geschichten des Großvaters gelesen hat, weiß ich jetzt in der Erinnerung nicht mehr so genau.

Natürlich habe ich mich die ganze Zeit gefragt, was soll dieser ganze Scheiß, was will der Autor eigentlich damit sagen und wie klingt denn das Ganze und was hat das mit Literatur zu tun. Apropos Literatur: Marcel-Reich Ranicki macht der Autor mit einem Satz platt und stellt ihn in die Ecke zu den Deutschlehrern!  Ich denke, aufdröseln läßt sich diese ganze Familiengeschichte natürlich nur von der Person des Autors. Und der ist zwar kein Deutschlehrer, aber auf mich wirkt er wie ein „Bildungskleinbürger“; ein Germanist, ein Historiker, ein Lektor, ein Leiter eines Goethe-Institutes, der schon ein paar Aufsätze und ein paar Bücher geschrieben hat. Und seinen Großvater kann ich irgendwie recht gut verstehen, wenn dieser so gut wie nicht mehr, mit seinem Enkel geredet hat.

Ein unsichtbares Land erzählt eine persönliche Familiengeschichte. Persönliche Familiengeschichten haben wir alle! Ich erzähle hier jetzt nicht, was mir meine Großmutter mütterlicherseits über Nikolaus II. erzählt hat, oder der Sohn von Hans Martin Schleyer. Normalerweise werden solche Geschichten nicht als Roman verkauft und selten werden sie in renommierten Verlagen veröffentlicht.

Jetzt habe ich noch gar nichts über Stephan Wackwitz’ Schreibstil gesagt: Es gibt sicher Bildungsbürger, die lange Sätze, inhaltliche und zeitliche Sprünge mögen. Wenn diese dann Wackwitz heißen, Wackwitz kennen, Schlesier sind, Briefträger oder Lektoren, dann, ja dann denke ich, finden sie auch irgend etwas in diesem Buch.



Stephan Wackwitz: Ein unsichtbares Land

© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2003
Umschlaggestaltung: +malsy
Titelabbildung: Die „Adolph Woermann“
Foto von Gustav Wackwitz

     

Sonntag, 20. Januar 2013

Chantal Pelletier: Tage mit Romy


Irgendwie hatte mich der Titel angemacht. Das Romy Schneider tot ist, wußte sogar ich. Was macht nun eine Schriftstellerin mit Romy Schneider in einem Roman?  Chantal Pelletier kannte ich nicht. Der Verlag Kiepenheuer & Witsch ist kein schlechter.  172 Seiten, okay, die konnte ich mir mal eben reinziehen und Marie Claire wurde zitiert und meinte „Es ist einer dieser scheinbar leichten Texte, in dem jedes Wort – wohl abgewogen – ins Schwarze triff.“ Nun, bei mir nicht. 

Offensichtlich bin ich zu blöd, an diesem läppischen Selbstfindungsgeschreibsel auch nur irgend etwas halbwegs erhellendes oder amüsantes zu finden. An einer Stelle wird es sogar kurz ganz ekelig, als sie ihrer Heldin von ihrem schwabbeligen Bauch schreibt und wie sie nackt eine Pizza ißt.

Ah, zwei Sätze haben mir gefallen:  „Sie hatte den Häuptlingsstuhl genommen, weil sie wußte, wo man am besten saß. Ein Merkmal der Weisen.“ (Seite 35) Häuptlingsstuhl gefällt mir, weil den suche ich mir nämlich auch immer aus, wenn ich kann. Jetzt darf ich mich nach Pelletier für Weise halten. Was meine Exfrau übrigens auch tut.  Der zweite Satz: „Vierzigjährige Frauen hatten stets meine volle Bewunderung. Blumen sind schöner als Knospen.“ (Seite 35) Ich achte immer beim Kauf von Blumen darauf, in voller Blüte stehende Blumen zu kaufen.

Also die Heldin ist eine vierzigjährige Frau mit schwabbeligem Bauch, was man aber gut gekleidet, gut vertuschen kann und erlebt einen katastrophalen Tag, von dem ich aber annehme, der ist so bescheuert katastrophal, weil sie sich so bescheuert anstellt.  Katastrophal genervt am Abend Zuhause klingelt es und Romy Schneider steht vor der Tür. Die beiden Mädels bestehen dann ein paar Abenteuer; also Spaziergänge und so, Essen gehen, Klamotten tauschen, Bierchen trinken, Romy geht mit zur Arbeit. Ob jemand Harvey, oh Entschuldigung, Romy erkennt? Ich will euch nicht zuviel verraten, falls, ihr das Buch doch noch lesen wollt. Es ist immerhin das zweitschlechteste Buch, das ich bis jetzt jemals gelesen habe.

Nicht wirklich kommen darin Gedanken zum Ausdruck, die irgendeinen Wert hätten, irgend etwas Neues, oder irgend etwas, worüber es sich lohnen würde, weiter nachzudenken und noch nicht einmal etwas besonders unterhaltsames, wenn man bedenkt, daß Romy Schneider mithandelt und es bleibt läppisch belanglos.  Belanglos, wie so häufig, wenn Schauspielerinnen oder Schauspieler etwas kluges versuchen zu sagen.


Chantal Pelletier: Tage mit Romy

Aus dem Französischen von Karin Krieger
© 2004 Kiepenheuer & Witsch, Köln
Umschlaggestaltung: Barbara Thoben, Köln
Umschlagfoto: © photonica / Jens Lucking




Donnerstag, 17. Januar 2013

Jewgenij Grischkowez: Das Hemd


Das Hemd, welches auf dem Bucheinband wie eine Jacke aussieht, ist eine recht konventionell erzählte Geschichte, in der ich den Russen, wie er im Buche stehen soll, nicht gefunden habe, genausowenig wie den Dandy des 21. Jahrhunderts.  Mit diesen Begriffen wirbt der Einband. Und diese Geschichte hätte auch über eine Hose erzählt werden und in Pusemukel oder sonstwo handeln können, was auch keine weiteren, erleuchtenden oder sonstwie interessanten Erkenntnisse vermittelt hätte. In diesem Fall wäre dann Pusemukel genauso langweilig wie das Moskau des 21. Jahrhunderts, oder genauso interessant. Damit sage ich jetzt nicht, das Jewgenij Grischkowez nicht schreiben kann.  Nur, es ist halt Jacke, wie Hose, ob man es liest oder nicht, oder ob ich China ein Sack Reis umfällt oder in Moskau ein Tür zu: Also irgendwie fast langweilig und nichtssagend.

Der Held ist Architekt, holt seinen Freund vom Lande am Morgen vom Flugplatz ab, hat seine Geschäftstermine mit verschrobenen Bauherren die sich für das gelbe vom Ei halten, macht sich so ein paar Gedanken, hat sich unsterblich verliebt und kommt den ganzen Tag nicht dazu, seine Hose, äh, sein Hemd zu wechseln, sich mit seinem Kumpel vernünftig zu besaufen und und und. 

Ich habe extra geschrieben „fast langweilig“.  Mag sein, daß manche so etwas unterhaltend finden.  Aber das Klischee vom Russen und Dandy ist doch recht ausgeleiert und hier nicht wirklich spritzig oder überzogen gezeichnet. Jetzt müßte ich glatt mal googeln, ob der noch was geschrieben hat, aber irgendwie fühle ich mich nach diesem Buch nicht motiviert genug dazu.


Jewgenij Grischkowez: Das Hemd

Aus dem Russischen von Beate Rausch
© 2008 Amman Verlag & Co, Zürich
Umschlaggestaltung: Cécile Graf-Gloor

Mittwoch, 16. Januar 2013

2012 gelesen


 85. Ben Macintyre: Der Mann, der König war

84. Michael Cobley: Die ahnen der Sterne

83. Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrigblieb

82. Milena Agus: Die Frau im Mond

81.  Zülfü Livaneli: Glückseligkeit
 
80. Eduardo Mendoza: Katzenkrieg

79. Magnus Mills: Zum König

78. Michael Frayn: Gegen Ende des Morgens

77. Basilius von Cäsarea: Über den Heiligen Geist

76. Ron Leshem: Wenn es ein Paradies gibt

75. Volker Kutscher: Die Akte Vaterland

74. James Joyce: Ein Porträt des Künstlers als junger Mann
73. Thomas Hürlimann: Das Gartenhaus

72. Philip Roth: Empörung

71. J. M. Coetzee: Sommer des Lebens

70.  Urs Augsrburger: Als der Regen kam

69. Lars Saabye Christensen: Die blaue Kuppel der Erinnerung

68. Horst Wolfram Geißler: Odysseus und die Frauen

67. Ella Griffin: An und für Dich

66. Miller & Stentz: Der beste Tag meines Lebens

65. Benjamin Lebert: Im Winter dein Herz

64. Amélie Nothomb: Realtity-Show

63. Rudyard Kipling: Das Dschungelbuch

62. Michael Frayn: Willkommen auf Skios

61. Martin Suter: Allmen und der rosa Diamant

60. Senta Berger: Ich habe ja gewußt, daß ich fliegen kann

59. Boris Saidman´: Hemingway und die toten Vögel

58. Alain Claude Sulzer: Aus den Fugen

57. Jean Echenoz: Ravel

56. Ulrike Herwig: Mein Gott, Wanda

55. Uzodinma Iweala: Du sollst Bestie sein!

54. Francis Scott Fitzgerald: Der große Gatsby

53. Gwendoline Riley: Joshua Spassky

52. Fabio Stassi: Die letzte Partie

51. Yoram Kaniuk: Die Vermisste

50. Robert Haasnoot: Der Erinnerer

49. Véronique Olmi: In diesem Sommer

48. David Zindell: Neverness
  
47. Ute Scheub: Das falsche Leben

46. Gertrud Höhler: Jenseits der Gier

45. Benedict Wells: Spinner
44. Günter de Bryun: Die Finkensteins

43. Michael Ondaatje: Die gesammelten Werke von Billy The Kid

42. Marguerite Duras: Im Park

41. Grazia Deledda: La madre

 40. John Irving: Garp und wie er die Welt sah
39. Colin Greenland: Begegnungen auf dem Möbiusband

 38. Max Frisch: Mein Name sei Gantenbein

 37. Origenes: Homilien zum Lukasevangelium

36. Rabindranath Tagore: Gora

35. Isaac Asimov: Die Stahlhöhlen

34. Vadim Glowna: Der Geschichtenerzähler

33. Arnon Grünberg: Mit Haut und Haaren

32. David Lindley: Die Unbestimmbarkeit der Welt

31. Leander Sukov: Homo Clausus

30. Khalil Gibran: Der Prophet - Der Wanderer

 29. Jean Améry: Die Schiffbrüchigen

28. Michael Cobley: Waisen des Alls

27. Carl Amery: Briefe an den Reichtum

26. Eduardo Mendoza: Eine leichte Komödie

25. John Steinbeck: Stürmische Ernte

24. Clemens von Rom: Epistola ad Corinthios - Brief an die Korinther

23. Heinrich Mann: Die kleine Stadt

22. Harper Lee: Wer die Nachtigall stört ...

21. Umberto Eco: Baudolino

20. Frank Herbert: Die Ordensburg des Wüstenplaneten

19. Egeria: Itinerarium   Reisebericht

18. Carlos Fuentes: Chac Mool

17. Oden Salomos

 16. Eduardo Mendoza: Das Jahr der Sintflut

15. Leander Sukov: Warten auf Ahab

14. Stephan Hawking: Das Universum in der Nußschale

13. John Steinbeck: Die Reise mit Charley

12. Juri Tynjanow: Wilhelm Küchelbecker

11. Jeffrey Eugenides: Middlesex

10. Johannes Chrysostomus: Taufkatechesen II

9. Frank Goosen: Sommerfest

8.Terry Carr: Cirque

7. Simon Singh: Fermats letzter Satz

1. Samuel Pepys: Der erotiscvhe Pepys

2. Johannes Chrysostomus: Taufkatechesen I



3. Fridjof Capra: Wendezeit, Der Film

4. Johann Wolfgang Goethe: Die Leiden des jungen Werthers

5. Su Zahu: Wellenkuß

6. Euardo Mendoza: Die unerhörte Insel